Festplattenvorräte zum Jahresbeginn 2012 weltweit erschöpft
Gewerbliche Kunden werden höhere Festplattenpreise akzeptieren müssen
Die Flut in Thailand macht in Deutschland Festplatten teurer.
In Thailand sind die Festplatten-Fabriken überschwemmt. Das führt zu einer Verknappung und Verteuerung. IT-BUSINESS fragte bei den Kooperationen Synaxon und Electronic Partner, dem Zentralverband Informationstechnik und Computerindustrie sowie bei Seagate nach, wie sie die Lage beurteilen.
Die Flut in Thailand macht sich auch bei uns bemerkbar. Die dortigen Produktionsausfälle bei den Festplatten-Herstellern sowie deren Zulieferer bescheren uns eine Verknappung und somit Verteuerung von Festplatten.
Laut Bitkom sind seit Anfang September die Preise für Speicherlaufwerke um durchschnittlich 80 Prozent gestiegen. Ob das das Ende der Fahnenstange ist und wie der Channel dieses Problem bewältigen will, dazu hat IT-BUSINESS verschiedene Unternehmen befragt.
Zentralverband Informationstechnik und Computerindustrie (ZITCO)
Frank Brunen, Vorstand des ZITCO, in dem PC-Distributoren und -Assemblierer organisiert sind, bestätigt die Einschätzung des Bitkom, dass sich die Festplatten-Preise seit Anfang September hierzulande um bis zu 80 Prozent verteuert haben. „Diese Einschätzung ist realistisch“, so Brunen. Derzeit sei die Verfügbarkeit im Channel zwar noch weitgehend gewährleistet, da diese sich Lagerbestände aufgebaut hätten. Allerdings rechnet der ZITCO-Vorstand damit, dass die Vorräte Anfang des kommenden Jahres langsam erschöpfen könnten. „Da ich aufgrund der Bilder aus Thailand von den überfluteten Fabriken skeptisch bin, dass die Festplatten-Hersteller schnell wieder problemlos produzieren können, könnte die Lage Anfang 2012 kritischer werden.“
Die Festplatten-Hersteller werden Brunen zufolge voraussichtlich den großen A-Brands bei der Belieferung Vorrang geben, um hohe Entschädigungszahlungen zu vermeiden. „Ähnliche Situationen bezüglich Lieferknappheit haben aus unserer Erfahrung in der Regel dazu geführt, dass der Channel nachrangig beliefert wurde“, so Brunen. Der Channel, so der Geschäftsführer der Brunen IT Service GmbH, spüre schon jetzt Preiserhöhungen, unter anderem bei A-Brand-Notebooks. Die Reseller und Assemblierer sehen sich Brunen zufolge schon heute teilweise gezwungen, die Zusatzkosten bei den Festplatten teilweise an die Kunden weiterzugeben. „Gerade im unteren PC-Preissegment um 300 Euro ist kein Platz, um 30 bis 50 Euro höhere Preise auf die Platten ohne Kostenerhöhung zu bewältigen. Denn die Verteuerung ist höher als die mit den Geräten erwirtschaftete Marge.“ Dennoch versuche jeder der Anbieter einen Mittelweg zu finden, um die Preiserhöhungen nicht 1:1 weitergeben zu müssen.
Seagate prognostiziert Engpässe bis Ende 2012
„Es wird eine ganze Weile länger dauern, als es viele Leute annehmen, und zwar mindestens bis Ende 2012“, sagte Steve Luczo, CEO des Festplatten-Herstellers Seagate Technology, in einem Interview mit der US-Nachrichtenagentur Bloomberg. „Und bis dahin ist ja auch die Nachfrage angestiegen.“
Nach eigenen Angaben habe das Unternehmen Glück. Obwohl man mit eigenen Festplatten-Fabs in Thailand vor Ort ist, wurde keine von dem Hochwasser betroffen. Allerdings umfasst eine Hard Disk Drive (HDD) mehr als 200 Einzelteile, davon werden für ein Seagate-Laufwerk um die 130 einzelne Teile zugeliefert und große Teile der Zuliefererunternehmen stehen immer noch unter Wasser.
Das sorgt für erste kräftige Preissprünge. Doch weitere, höhere, Preis-Levels dürften noch bevorstehen, da sich die PC-, Server- und Storage-Systeme-Industrie bislang noch aus Lagerbeständen und Channel-Zwischenlagern eindecken konnte. Nach Luczos Einschätzung neigen sich die Lager jedoch dem Ende zu, voraussichtlich noch im laufenden Monat November.
Tech Data meint Endkundenpreise werden nicht mehr altes Niedrigniveau erreichen
Ilgonis Inspeters, Business Unit Leiter Komponenten bei Tech Data: „Alle Hersteller interner Festplatten waren von der Ausnahmesituation in Thailand betroffen und es gibt noch immer einige Lieferengpasse, die sich auch auf die Produktverfügbarkeit externer Festplatten- und NAS-Hersteller auswirken. Ich gehe jedoch davon aus, dass wir in Kürze wieder mit limitierten Festplattenlieferungen starten können.
Die erfolgten Preiserhöhungen sind eine normale Reaktion auf die aktuelle Nachfrage- und Angebotssituation. Sobald wieder mehr Festplatten verfügbar sind, wird sich der Preis senken. Nach meiner Einschätzung haben wir die Fahnenstange bereits erreicht aber ich glaube auch, dass die Endkundenpreise voraussichtlich nicht mehr das niedrige Preisniveau erreichen werden, auf dem wir uns vor Ausbruch der Flutkatastrophe in Thailand bewegt haben.
Ich glaube nicht, dass wir einen generellen Rückgang in der Produktion von Desktops und Servern sehen werden. Allerdings ist es möglich, dass wir aufgrund der aktuellen Geschehnisse zukünftig von einem höheren Durchschnittspreis bei den PCs ausgehen müssen.
Die gegenwärtige Situation im Komponentenumfeld wird für uns keinen Einfluss auf die zukünftige Geschäftsstrategie haben; wir halten unverändert an unseren Business Zielen fest."
Quelle: http://www.it-business.de/index.cfm?pid=2481&pk=339859&nl=1&cmp=newsletter_it%2Dbusiness%20today_23-11-2011
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